Hervorgehoben

Mein erster Blogbeitrag

Sei du selbst. Alle anderen sind bereits vergeben.

— Oscar Wilde

Dies ist der erste Beitrag in meinem neuen Blog. Ich beginne gerade erst mit dem Bloggen; bleibt also dran, es folgen bald weitere Beiträge. Melde dich unten an, um eine Benachrichtigung zu erhalten, wenn ich etwas Neues poste

Mona, Simona, Corona

Gestern wurde ich gefragt, ob man mit der Zeit entspannter wird, mit den Kindern und so. Man macht sich ja immer so viele Sorgen um sich und seine Kinder, vielleicht werde das mit mehreren Kindern einfacher. Warum? Sollte es mir egaler sein, weil ich ja mehrere habe und falls eins abhanden kommt, wären da noch andere? Natürlich war das nicht so gemeint. Es war der Versuch, ein Rezept für Gelassenheit zu erhalten, gratis und verbindlich, von Mehrfachmutti zu Einzelkind-Papa. Das gibt es nicht und wenn ich es hätte, würde ich es zu Geld machen, ungelogen. Angst ist ein Gefühl und die kann man nicht kontrollieren, abstellen, kein Medikament hilft so wirklich dagegen.

Wir sehen im Moment täglich, dass es für Angst keine Routine gibt. Das Gefühl von Angst kann mit einem kleinen Unwohlsein anfangen, ein ungutes Gefühl nur, so eine Art Vorahnung. Gerne kann es sich auch verändern und hochsteigern zu einer Panik, damit meine ich vor allem die vielen Klopapier-Sammler und neuartigen Nudelfreunde. Waren die nicht gestern noch total verpönt, weil wegen Gluten usw? Was wurde daraus? Und vor allem interessiert mich, wie esst ihr die jetzt? Mit Mehl??

War ich bis jetzt die Einzige, die jede Woche ein Päckchen Mehl und einen Würfel Hefe aufs Band gestellt hat, gibt es jetzt fast kein Mehl mehr. Ihr vergesst nur leider, die Hefe dazu zu kaufen. Das zeigt mir, da wird nicht wirklich nachgedacht. Angst schaltet das Denken aus. Es steht auch kein Mehl auf dem Einkaufszettel. Ihr lauft nur zufällig an den leeren Regalen vorbei und denkt euch „Mist, wenn da schon fast nichts mehr von da ist, brauche ich auch welches.“

Nichts ist mit Zimtschnecken und Pizzateig, Hefe vergessen, dumm gelaufen. So ist das auch mit Angst um Kinder. „Nein, Estelle geht nicht zu Fuß zur Schule, ist heutzutage viel zu gefährlich.“ Lasst das „heutzutage“ weg und ersetzt es durch „modernerweise“, schon stimmt es wieder. Natürlich ist das erst einmal ein ungutes Gefühl, wenn man sein 6-jähriges Erstklässlerchen auf die Reise schickt. Die brauchen auch kein handy, um sich aus dem Bus zu melden. Wenn sie ihn verpassen, nehmen sie den nächsten, ganz sicher. Meine Mama hat immer gesagt, wir sollen eines Tages auch alleine klar kommen. Hat sich für mich erst einmal ein wenig herzlos angehört, vor allem weil ich da schon asugezogen war und nicht wusste, ob es alles hinhaut. Aber das hat es und heute weiß ich, sie hatte Recht. Man muss auch manchmal sein Herz hinter Panzerglas stellen, um nicht kaputt zu gehen. Die Angst ist immer da und hilft uns, am Leben zu bleiben. Sie sollte uns nur nicht zerstören, das kann auch töten. Wenn da nur noch Angst ums Kind ist, wo ist noch Platz für die Liebe? Willst du, dass dein Nepomuk dich auch mit 30 Jahren noch anruft und fragt: „Mama, wie muss man nochmal Nudeln kochen? Backt man sie? Kommt das Mehr sofort mit ins Wasser oder erst hinterher? Und was mache ich mit dem Klopapier?“ Ist es für die Kinder bequemer, jeden Tag gebracht zu werden oder umständlich erst zum Bus und dann vom Bus in die Schule zu laufen? Vielleicht. Tut ihnen die frische Luft morgens gut und hilft ihnen, sich besser im Unterricht zu konzentrieren? Auf jeden Fall. So lernen sie aber auch ich, dass man ruhig mal was erwarten darf von diesen kleinen Menschen, die schaffen das schon. Ausserdem erhalten sie im Gegenzug die Zuversicht, es auch alleine hinzukriegen. Schenkt ihnen die kurzen Triumphe über die Angst, sie werden stolz sein und zu gesunden Erwachsenen heranwachsen, die sich nicht von jeder Massenhysterie anstecken lassen. Da bräuchte es mal ein Rezept für. Das steht in keinem Regal im Supermarkt. Da steht im Moment nur noch wenig, leider auch kein gesunder Menschenverstand. Sonst wüssten nämlich auch wieder alle, dass Desinfektion bei Viren nicht wirkt und Mundschutzmasken im Handwerk oder Op gebraucht werden, nicht auf der Straße. Tröpfcheninfektion kann auch über die Augen passieren, rüstet also auch Augenmasken nach. Erklärt sicherheitshalber die ganze Welt zum Risko-Gebiet und informiert jeden, dass er sterben muss. Das wäre endlich mal richtige Verbreitung von Panik, die auch noch stimmt. Sterben muss jeder einmal, nicht heute und wahrscheinlich auch noch nicht morgen, aber irgendwann.

In diesem Sinne. Weitermachen. Ihr seid alle zu jung, um nichts zu tun. Backt einen Kuchen oder kocht eine Nudelsauce, den Rest habt ihr ja zu Hause.

How much is a Menschenleben wert?

Irgendetwas läuft gewaltig falsch in unserer Welt.

Kinder sterben, weil Medikamente zu teuer sind. Oder anders ausgedrückt: Es gibt da einen Pharmakonzern, der ein neues Medikament gefunden hat, das die Erbkrankheit Spinale Muskelathrophie (SPA) behandeln kann, sogar von Heilung ist die Rede. Regelmäßig geht ein Spendenaufruf viral, weil ein kleiner Mensch um sein Leben kämpft und die Krankenkasse die Kosten nicht übernehmen will. Wir alle sind erst einmal der Meinung, was ne Schweinerei, sollen das doch alle bekommen dürfen. Es kann doch bitte nicht an der Million scheitern, die kostet.

Jetzt muss man über die Pharmaindustrie wissen, dass sie Geld verdienen wollen. Solange Menschen krank werden und es bleiben, tun sie das. So einfach ist das. Nicht zuletzt profitiere ich selbst von einem biotechnisch hergestellten Antikörper. Was reg‘ ich mich überhaupt auf. Oft genug habe ich gedacht, ohne die heutige Medizin gäbe es mich schon längst nicht mehr. Und trotzdem regt es mich auf. Es ist nun Mal so, dass der Pharmakonzern nicht bereit ist, seinen Wirkstofff freizugeben, das Patent aufzugeben, die Forschung kostet Unsummen, schon klar. Sie könnten aber. Stattdeseen verlosen sie jetzt 100 Dosen davon. Wow, wenn man in der Gesundheits-Lotterie schon abgelost hat, kann man wenigstens beim Medikamenten-Roulette noch gewinnen. Abartig. Ist das euer Ernst? Die Zeiten, in denen wir uns aufgeregt haben, dass private Patienten beim Arzt bevorzugt werden sind längst vorbei. Gesundheit hat sein Preisschild bekommen. Und zwar ein sehr teures.

Wer sich in die Materie einlesen mag: informieren.

Mich frustet das schon extrem und ich frage mich, was würde der Chef von besagtem Pharmaunternehmen machen, wenn sein Kind/ Enkel/ jemand, den er liebt betroffen wäre. „Ja, lieber Karli, der Opa würde dir gerne helfen, dass es dir bald wieder besser geht, aber das würde mich um meine Sonderzahlung bringen, weißt du, das geht doch nicht. Der Porsche ist schon angezahlt und die Kreuzfahrt hat die Oma auch schon rausgesucht. Aber hier hast du einen Lutscher.“

Werden solche Medikamente unter dem Tisch weitergeben, so nach dem Motto „Hier hast du eine Spritze, denk an mich wenn demnächst der Neubau fertig ist.“

Manchmal stelle ich mir vor, dass diese Leute auch nur Menschen sind, so schwer es auch fällt. Die Promi-Meldung des Wochenendes war auch wieder so ein Aufreger. Wenn ihr im Fernsehen den Beitrag über Robbie Williams und Ayda seht, wie sie zum vierten Mal Eltern geworden sind, denkt an mich, wie ich kotzend vorm Fernseher sitze.

Versteht mich nicht falsch, jeder der sich für viele Kinder entscheidet ist erst mal eher mein Freund. Robbie-Fan war ich auch mal. Der ist nur leider unterwegs mal falsch abgebogen. Die glücklichen Eltern haben ein Foto gepostet, auf dem vier Paar Kinderfüße zu sehen sind mit der Info, sie seien gesegnet und überglücklich bla bla.

Ihr seid nicht gesegnet, liebes Ehepaar Williams. Ihr seid reich genug, um euch ein Kind zu kaufen. Das und nichts anderes ist das nämlich. Frau Kardashian hat es vorgemacht, zwei ihrer vier Kinder sind auch von einer Leihmutter ausgetragen worden. Bravo, an alle Beteiligten. Wenn man doch bilogisch in einem Alter ist, in dem das nicht mehr geht, warum hört man dann nicht mit dem Kinderkriegen auf? Natürlich leben wir in einer Zeit, in der jeder das machen kann, was er will, so viele Kinder gebären kann, wie er will, aber dann gebärt sie selbst. Hört endlich damit auf, euch osteuropäische Uteri zu mieten und dann davon zu faseln, ihr seid gesegnet. An euch ist jeglicher Segen vorbeigezogen, ungenutzt. Was haben wir uns alle über die geplanten und medizinisch unnötigen Kaiserschnitte aufgeregt, als sie in Mode kamen. Durch diesen Trend sind alle Frauen, die einen Kaiserschnitt haben mussten, wegene Komplikationen unter der Geburt o.ä. auch Jahre später noch der Meinung, sie hätten was falsch gemacht. Nein, hast du nicht, alles cool, die Kims und Victorias dieses Welt hatten nur keinen Bock, sich da untenrum in Hackfleisch zu verwandeln. Kostet halt bisschen extra, was solls.

Denkt bitte irgendjemand an die Frauen, die das für Geld tun? Das sind Mütter, die danach kein Baby halten dürfen, das wird direkt nach der Entbindung ausgeliefert und ist weg. Das sind oft Mütter, die schon eigene Kinder haben und das für eine gute Einnahmequelle halten. Welche Frau bei klarem Verstand macht so etwas und tut das einer anderen Frau an? Vor allem sind das auffallend oft Frauen, die das Spiel schon mitgemacht haben und wissen, wie es sich anfühlt, ein Kind wachsen zu spüren und dann auf die Welt zu bringen. Das ist doch kein Supermarkt-Einkauf. Heute kauf ich mir ein Kind. Kommt mal bitte klar. Holt euch eine neue Handtsche. Wie muss das auch auf Frauen wirken, die keine Kinder bekommen können? Diejenigen unter uns, die ihr Leben riskiert haben, jeden Tag Heparin gespritzt haben, oder tausende Spritzen in der Fruchtbarkeitsbehandlung, um überhaupt schwanger werden zu können?

Macht doch was ihr wollt. Seid aber dann ehrlich und vermeldet: Wir sind in der finanziell stabilen Lage gewesen, um noch ein Mitglied zu unserer Familie hinzukaufen zu können.

So war das nicht gedacht, mit den Kindern. Es gibt kein Recht auf Kinder. Manchmal will es auch einfach nicht klappen, egal wie stark der Wunsch ist. Tausende Frauen finden sich damit jeden Tag ab, dass sie kinderlos bleiben und leben weiter. Dann soll es eben nicht sein. Muss man das auf diese Art erzwingen? Wollen wir so eine Gesellschaft sein? Wisst ihr übrigens, wie wenig ein Au-Pair verdient, wenn es in einer deutschen Familie lebt, das Essen vorbereitet, kocht, einkauft, die Kinder zum Kindergarten bringt usw. 260 € Taschengeld. Fairerweise spricht man nicht von einem Gehlt, das wäre ein Hohn. Aber für das Geld drückt man seine Kinder einem Fremden aufs Auge und geht was Wichtiges arbeiten. Das Wichtigste sitzt dann zu Hause und versteht die Welt nicht mehr, genau wie das Au-Pair kein Deutsch. Wollt ihr das? Ist das euer Ernst? Wer würde denn für das Geld ein fremdes Kind betreuen? So mit allem Zipp und Zapp, da einziehen und immer auf Abruf stehen? Wenn wir mal ehrlich sind, keiner.

Hat alles seinen Preis? Ist das einfach so? Was wurde aus den Unbezahlbaren Dingen? Haben wir als Kinder von unserer Zukunft geträumt und uns vorgestellt, wie reich wir werden? Wie viele Autos vorm Haus stehen werden? Ernsthaft? Ging es uns darum? Wenn wir uns als Erwachsene vorgestellt haben, wollten wir bestimmen können. Über unser eigenes Leben. Über die Welt. Einfach alles. Heute sind wir die Erwachsenen von damals und gehen noch nicht mal wählen, weil wir nichts verändern. Machen die Steuererklärung nicht ordentlich, weil gibt eh nichts zurück. Kaufen uns Kinder, wenn wir alt sind, sie selbst auszutragen. Was ist los mit uns?

Ich bin wieder hier, in meinem Revier, war nie wirklich weg, hab mich nur versteckt

Alter Falter. Also ich bin noch da und sogar in der Lage, neben meinem Wäscheberg, Kochen, Aufräumen, Hausaufgaben und Bespaßen hier und da, einen Eintrag zu tippen.

Ich hatte Schmerzen. Dazu muss man wissen, ich kann Schmerzen gut aushalten. Meine vier Nachkommen sind alle „natürlich“, „normal“ oder wie ich es gerne sagen, unter saustarken, unnormalen Schmerzen und unmenschlichen Anstrengungen auf diese Welt gekommen. Nix Pda oder Kaiserschnitt, das sind Arbeiterkinder und keine Kaiser.

Da ich nun weiß, man kann das überleben, egal wie oft man sagt, man könne nicht mehr, es ginge nicht mehr, es geht immer weiter. Dieser krasse Schub letztens hat mich komplett umgehauen. Von Schmerzmitteln halte ich nicht so viel und brauche sie im Alltag nicht, habe sie aber immer im Haus. Also wurde fleißig ausprobiert. Novalgin, Ibuprofen, nichts half. Nach 3 Tagen aussitzen bin ich zum Neuro gelatscht. Dieser Weg alleine macht mich ja schon 50 % kranker, als ich eigentlich bin, aber egal.

Nach einer kurzen Entwarnung, es war halt kein MS Schub sondern ein rheumatischer (ist das eigentlich wichtig, was es ist? ) wurde überlegt, was wir tun können. Show must schließlich go on und ich hab keine Zeit für sowas.

Die Wahl fiel auf Cortison und weil es kein MS ist, reichte oral körperadaptiert. Das Meckern über die Nebenwirkungen von Cortison und Rumgeheule erspare ich uns alle, braucht kein Mensch, was muss das muss. Ist nur für drei Wochen und dann ist hoffentlich alles wieder schön. Bin ich nicht bescheiden?

Solche kleinen Ausbremser lasse ich nur kurz zu, weil wie gesagt, keine Zeit und auch keine Lust . Irgendwann, sorry falls ihr es nicht wusstet, geben wir alle den Löffel ab. Ich stelle mir vor, man denkt noch mal kurz nach, ein persönliches Fazit. Die wirklich wichtigen Dinge haben Sendezeit, nicht der nervige Nippes, für den wir uns schon zu Lebzeiten nicht die Zeit nehmen wollten. Werden wir noch wissen, wie weh es getan hat? Bestimmt. Aber wir werden den Schmerz nicht fühlen, versteht ihr? An irgendwas muss man sterben, meistens tut es weh, schon klar, aber die durchgestandenen Schmerzen sind irgendwann zu Ende gefühlt und das ist auch gut so.

Ausserdem habe ich schon Tage vorher aufgehört richtig zu putzen und das rächt sich sofort. Da uns das schnell langweilig werden könnte, haben wir noch einen Läuse-Befall eingeschoben und jeder, der es mal hatte, weiß was das heißt.

So und dann haben der Schub, der nirgendwo hin führt, von wegen mit Schubkraft voraus, und ich ausgemacht, dass mal gut ist. Das Cortison nehme ich noch brav ein und das muss bitte gut sein.

Viele beschweren sich immer, dass sie vom Cortison nicht schlafen können. Ich kenne das bei höheren Dosen auch so. Jetzt kann ich schlafen wie ein frischgebackener Papa . Die schlafen immer gut, egal was lost ist. Babies und Mamas nicht. Wenn jemand sagt, er schlafe wie ein Baby, weiß ich, er hat keins. An dieser Stelle muss ich gerade mal fragen, wie kommt dieser neue Trend mit dem Familienbett zu Stande? Sind die alle komplett durch? Ein 5 Meter breites Bett und alle da drin? Mama und Papa außen, klar, soll ja keiner unterwegs aus dem Schiff rausfallen, und in der Mitte dann die menschlichen Heizungen, die alles können, ausser Nachts ruhig unter der Decke zu liegen und sich so wenig wie möglich zu bewegen. Wie machen die das? Decken die einfach immer wieder zu? Schieben Nachts von links nach recht, unten nach oben? Jeder seine eigene Decke und der in der Mitte schläft nackt, damit er nicht überhitzt?

Ich bitte euch, denkt mal bitte nach. Es ist unbeschreiblich schön, wenn dein kleiner Mensch rübergetapst kommt und eine schlechten Traum hatte und dann unter die Decke kriecht. Oder bei Vollmond, hier sehr angesagt. Aber doch nicht bitte jede Nacht.

Auch wenn die Kinder krank sind, ist das selbstverständlich. Mein Kleinster schläft in seinem Bett neben meinem. Nach der Hälfte der Nacht kommt er rüber auf sein Kissen in unserem Bett, völlig ok. Diesen ersten Teil der Nacht brauche ich aber eben zum schlafen. Ist das jetzt out geworden, was ist da los? Würde mir das einer mal bitte erklären?

Es ist der letzte Ort, ohne Chips-Krümel. Das ist meine Insel. Die geb ich nicht her. Man darf auch nicht vergessen, die wird schon geteilt, mit dem Ehemensch. Wir haben sogar die Fortgeschrittenen Version mit gemeinsamer Decke. Haltet mich also nicht für egoistisch, ich kann teilen. Es gibt aber so Dinge, da hört es auf. Dass jeder zum Beispiel jeder seine Zahnbürste hat, leuchtet ein, eigene Betten, oh no wir machen Familienbett. Gut, dann macht mal.

Ich rieche den Dreck, ich atme tief ein, und dann bin ich mir sicher, wieder zu Hause zu sein. Ging das nicht so? Ich geh mir einen Tee kochen und google dann weiter nach Fotos von stolzen Familienbett-Schläfern, um mich weiter zu wundern.

Schnupfen in der Schulter – Erkältungszeit in da house

Ach ist das schön. Man merkt erst, dass man noch lebt, wenn es so richtig weh tut. Das ist sowieso das Motto von uns Patienten. Ein ruhiger Tag ohne Vorkommnisse langweilt uns.

Ich musste mit dem Kleinsten Zwerg zur Impfung. Eigentlich auch nichts Besonders, die haben am Anfang ständig U-Termine, Impfungen, Auffrischungen usw. Diesmal war Meningokokken dran und ich war froh, das dieser Mist geimpft werden kann, weil er schon 1 Jahr alt ist und gesund. Das bedeutet, dieses Kind hatte keinen Husten, Schnupfen, Brechdurchfall, nichts. Bevor wir uns in das Wartezimmer beim Kinderarzt gesetzt haben.

Nun ist das bei meinem Kinderarzt so. Ich hege eine innige Hassliebe mit ihm, seiner Praxis und den Sprechstundenhilfen. Ich weiß, die machen nur ihren Job, nur leider manchmal sehr lustlos, dafür dass sie mit Kindern arbeiten. Der Arzt ist sehr betagt, also steinalt, was man ihm anmerkt. Gerne macht er zwei kleine Patienten auf einmal, mal in das eine, mal in das andere Sprechzimmer, immer in genervte Mutti-Gesichter blickend und einem zuraunend, „was der Andere nebenan gerade kriegt“. Als ob mich das interessiert, nach 90 Minuten Wartezeit will ich die Impfung und wieder gehen, nicht mehr und nicht weniger. Es dauert einfach ewig. Seit dem ersten Mal schreibe ich alles auf, was ich auf dem Rezept nachher mitnehmen will, sonst vergessen ich das in meiner Wut. Ich bin da auch schon ordentlich eskaliert, wer kennt es nicht. Vielleicht haben sie einen Vermerk in der edv gemacht, Achtung wenn die Alte anruft, nett bleiben, die hat nicht alle Latten am Zaun, und krank ist sie auch noch. Am Ende tut er mir auch einfach leid. Seinen Ruhestand hat er bestimmt auch schon im Kopf und keinen Bock mehr auf schreiende Kleinkinder.

Es nervt einfach, dass man sein gesundes Kind dahin trägt und verseucht wieder mit nach Hause nimmt. Manchmal hat man auch Glück und es wird gerade kein Privatpatient erwartet, der direkt durchgehen darf und man darf in einem Behandlungszimmer warten. Wir hatten kein Glück.

Die Stunde Warten hat gereicht, damit mein Kleinster sich die Erkältungen der Anderen Kinder eingefangen hat. Sah man ihm gar nicht an. Von der Impfung kann das auch nicht gekommen sein, weil die macht von sich aus kein Fieber und ist super gut verträglich, sagte Dr. Dinosaurier. So wurde „Patient 0“ von Minute zu Minute verschnupfter, die Augen tränten und der Husten manifestierte sich. Leider hat die Praxis dann immer schon zu. Wie gerne würde ich da anrufen und sagen: „Hallo, Susi, danke für die Unfähigkeit, die gesunden Vorsorgepatienten auf die freien Zimmer aufzuteilen und den Rest zur Bazillen-Party im Wartezimmer, ja genau, uns hat es erwischt. Auf den Patienten-Akten meiner Kinder steht nicht umsonst „Mutter hat MS“, ich hasse euch, danke für nichts. Neue Medikamente brauchen wir ja eh nicht, wozu da also anrufen.

Die oberste Etage im Kühlschrank besteht sowieso aus Hustensaft, Fieberzäpfen, Sirup, dies das jenes. Alles da, um einen Erkältungsnotfall in den Griff zu kriegen. Wie erwartet, wurden die Nächte unruhiger und kürzer, mein Kleinkind wachte schreiend auf und ließ sich nicht beruhigen, bis alle sich im Zimmer versammelt hatten und gefragt haben, ob es brenne.

So lustig diese kleinen Nachtparties auch sind, Mutti schläft nachts total gerne und nach einer Woche merkt man, dass man in einem Alter ist, indem man das nicht mehr wegsteckt. Stand der Dinge, Augenringe. Wir bedanken uns beim Erfinder des concealers und streicheln morgens unsere Kaffemaschine. Zum Glück ist Vollmond nur einmal im Monat, wir haben das hier regelmäßig, inklusive Schlafwandeln.

Patient 0 hat dafür gesorgt, dass er nicht lange alleine bleibt, immer schön darauf bedacht, seinen Rotz quer übers Gesicht zu tragen und jeden anspringend. Tröpfeninfektion ist was für Anfänger, wir haben springendes Baby mit spontanem Anniesen.

Nach einer Woche Hustentee, dreimal mit, einmal ohne Honig, nie verwechseln, Nasenspray, Fieberzäpfchen hier, Fiebersaft da, sind alle übern Berg. Innerlich habe ich eine Entspannung gespürt, als das Wochenende anrückte, ich Idiotin. Als ob das für Mütter irgendeinen Unterschied macht. Heute bin ich aufgestanden, nachdem ich bis halb 9 geschlafen habe und habe verkündet, das habe sich jetzt angefühlt, wie ausschlafen bis 12. Verwirrung, verwunderte Blicke, Gemurmel am Tisch.

Später kam die Sonne raus und während die Babies geschlafen haben, dachte ich, ich müsste raus mit den Großen. Ich werd das wohl nie lernen. „Sleep when the baby sleeps“ und nicht, „Steig aufs Fahrrad und setz dich auf den Spielplatz“. Ich weiß auch einfach, dass ich Glück gehabt habe, dass das alles noch geht und will jeden Moment nutzen. Die Großen haben neue Kontakte geknüpft, was für Mama natürlich heißt, sie hat auch neue Leute kennen zu lernen, gefälligst. Gerade als wir gehen wollten, tauchten auch noch Klassenkameraden auf, na prost Mahlzeit. Da war mir schon kalt und ich hätte mich verzupfen müssen. Nein, stattdessen bin ich wieder auf mein Fahrrad gestiegen und habe einen extra Umweg gemacht, um Kuchen zu besorgen. Zu Hause angekommen, waren die Babies noch am schlafen und der Ehemensch in der Küche dabei, einen Kuchen anzurühren. Irgendwie hat die Luft, geschwängert mit Viren und dem üblichen Zu-Hause-Duft, im Gegensatz zu der frischen Luft von Draußen mir den Rest gegeben.

Einmal nießen, Gesundheit, zweimal Nießen, oh-oh-, dreimal heißt game over.

Nase zu, Kopf dicht, kalt und die Laune zerstört. Normale Menschen hätten jetzt genug. Bei mir meldet sich gerne noch ein großes Gelenk dazu, einfach nur, um noch eine Schippe drauf zu legen. Heute ist es die Schulter. Ein stechender, scharfer und nicht auf Ibuprofen reagierender Mistkerl von Schmerz ist eingezogen, um mich zu ärgern.

Da es nicht meine Art von Therapie ist, da groß rumzuheulen, mache ich Tortellini mit Kürbis-Füllung und karamellisiere Zwiebeln, walze Nudelteig aus und sehe meinem Mädchenkind dabei zu, wie sie das fleißig alles zusammeln fummelt.

Was machen Menschen mit MS und ohne Kinder dann? Ich würde ja an Selbstmitleid sterben und einen Wick-Medi-Night Rausch erleiden. So ist schon besser.

Ich rufe vielleicht trotzdem gleich in der Praxis an. Da läuft ja der AB. Die haben ja nicht die Zeit, meine Nummer abzugleichen. Sollen sie ruhig wissen, dass sie jetzt schuld daran sind, dass ich einen Rotwein getrunken habe, obwohl meine Ibus noch nicht abgebaut waren. Qualitätsmanagement am Hinterteil. Und Schnupfen in der Schulter.

Bin auch nicht Rockefeller

Wenn ich an meine eigene Kindheit zurück denke, hatten wir alles, finde ich. Irgendwie aber auch nichts. Durch die Schule kannte ich auch Kinder, die entweder noch mehr hatten oder einfach keine Geschwister, und dadurch alles für sich alleine.

Nach der Schule war ich gerne bei meiner Freundin Lisa. Ihre Eltern waren beide Rechtsanwälte, oder einer war Anwalt und der andere Arzt, in meiner Erinnerung waren das einfach die stinkreichsten Personen. Lisa hatte Meerschweinchen, ein Puppenhaus und eine schon erwachsene Schwester, die irgendwas studiert hat. Natürlich gab es auch eine Haushälterin, die nie da war, weil sie einkaufen war, es gab nichts Gekochtes und an Geburtstagen gekauften Kuchen. Nichts davon hat unsere Freundschaft ausgemacht, wir waren einfach best friends und meine Mutter hatte scheinbar die Ruhe weg, weil ich oft nach der Schule da mit hin bin und mit diesem alten Puppenhaus gespielt habe.

Wenn ich zu Hause gefragt habe, ob ich auch sowas haben kann, hieß es oft: „Ich bin nicht Rockefeller.“ Als Kind wusste man damals nur das, was deine Eltern wussten. Erst vor ein paar Jahren, als jemand aus dieser Familie gestorben ist, habe ich erfahren, dass die wirklich stinkreich gewesen sein müssen oder es noch immer sind.

Nun ist es nicht so, dass wir kein Geld hatten, es wurde einfach nur anders ausgegeben.

Dieser Satz, von meiner kroatischen Mutter mit ihrem hinreißenden kroatischen Akzent, halb gesprochen, halb geschrien, hieß für uns Kinder einfach, Ende der Diskussion, so nen Firlefanz gibt es nicht. Punkt. Wer wäre damals auf die Idee gekommen, ein Bild zu basteln, ein Foto aus dem Katalog auszuschneiden und eine Collage zu kleben? Das waren die 80er, wir Kinder brav und die Rockefellers reich.

Heute weiß ich, man kann nicht wirklich sparen, wenn man Kinder hat. Das ist immer ratzifatzi weg. Gerade gestern hat meine Waschmaschine eine neue Fehlermeldung ausgespuckt, die sauteuer aussieht. Jetzt verstehe ich diesen Einwand, wenn wir ein neues Spielzeug wollten oder irgend einen anderen Schnickschnack. Wir haben auch Sachen bekommen, nur eben anders. Das erste richtige Fahrrad, nachdem man es endlich ohne Stützräder auf diesem gebrauchten Puky gelernt hat, oder Rollschuhe. Man erinnert sich auch heute noch daran. Erst im Vergleich mit anderen Kindheiten merkt man, dass man es in der Mitte ganz gut getroffen hat. Da gab es halt auch Menschen, die ihren Kinder gar nichts gekauft haben, keine Geburtstage gefeiert haben und rückblickend nie verstanden haben, dass aus diesen Kindern von damals heute Erwachsene geworden sind. Gibt es auch, also just saying, wenn sich einer gerade mit mir beschweren wollte, lasst es.

Nun aber mal zu uns heute. Wir sind jetzt die Eltern, die Listen vorgelegt kriegen. Wo zieht man denn da die Grenze? Jetzt war gerade Weihnachten und natürlich waren die Wunschzettel lang. Wir haben vorher klar gemacht, dass jedes Kind ein, zwei Geschenke kriegt, die es sich schon sehr lange gewünscht hat und womit es spielen kann. Das schließt aber Elektronik aus, so lange es noch geht, bleibt das auch so.

Mein Mädchen-Kind kam nämlich auf die Idee, diese bescheuerten Kopfhörer haben zu wollen, für ihr handy natürlich. In meinem mütterlichen Leichtsinn habe ich sogar meinen alten Dvd-Player aus dem Keller geholt und dem Kind schenken wollen, für die neue Cd, die es Weihnachten gab. Unnötig zu sagen, dass die Idee von vorne herein abgeschmettert wurde, das olle Teil nicht anging und sie alle Lieder auf der Cd schon kannte. Zur Sicherheit hat sie noch ein Foto für mich gebastelt, da ich ja ein Dinosaurier bin, hätte es durchaus sein können, dass ich noch nichts von diesen airpods gehört habe, die jeder Idiot verliert und dann doppelt kaufen muss.

Man kann das alles nicht aufhalten, ich weiß das. Die Kinder wachsen im Internet auf.

Konsum ist überall. Man muss ja aber nicht alles mitmachen. Das handy, das sie hat, hat keine Sim-Karte und bekommt auch vorerst keine. Wozu denn auch? Ich freue mich schon auf die Nachrichten aus der großen Pause: „Mama, das Butterbrot ist ekelig, ich mag keinen Käse, morgen wieder Wurst bitte.“

Unsere Eltern haben uns auf eine Welt vorbereitet, die es heute nicht mehr gibt, so wie sie war. Hier folgt jetzt kein langweiliger Früher-war-alles-besser Song, sondern einfach nur die Wahrheit. Wir können leider nicht alles so übernehmen, wie es bei uns gemacht wurde, das wäre ja auch schlimm. Da ist immer viel Luft nach oben, man lernt aus den Fehlern und durchbricht Muster, die man nicht über Generationen mitschleppen möchte. Das Geld beisammen halten kommt aber nie aus der Mode, oder? Wir müssen doch unseren Kindern die Vorbilder sein, die wir gerne gehabt hätten.

Um die Feiertage rum ging ein Artikel viral, in dem es darum ging, sich auf die wahren Werte zu besinnen und nicht zwanzig Sorten Plätzchen zu backen und teure Daddel Geschenke für die Kinder anzuschaffen, sondern mal Zeit miteinander zu verbringen. Jeder findet das gut und würde sofort unterschreiben, dass es an Weihnachten um etwas anderes geht, aber trotzdem hört man dieser Tage verdächtig oft „Ja, es ist dann doch die Nintendo switch geworden…“ fast schon entschuldigend, schulterzuckend, resigniert. Da hat jemand nachgegeben, den Kampf nicht aufgenommen und einfach gekauft. Man kann ja stylo Kopfhörer haben, wenn man dann aber nicht sauberes mehr zum Anziehen hat ist es auch uncool, oder?

Wann ist genug genug? Bei meinen Kiddos habe ich sowieso das Gefühl, ich könnte gar nicht so reich sein, wie sie maßlos wären. Wie Bluthunde schnüffeln sie jeden teuren, hippen Trend auf und wollen das gleich im Doppelpack, weil sie werden ja nicht benachteiligt. Schon klar.

Rockefeller ist tot und kann nicht mehr hinhalten, aber ich lasse mir was einfallen.

Kindern hat es noch nie geschadet, auf ein Geschenk zu warten und den Wert der Dinge zu lernen, statt nur den Preis.

Weihnachts-Lagerkoller

Seit Nikolaus vorbei ist, ist irgendwie die Spannung raus. Erst ist man erfahrungsgemäß überrumpelt, dass es überhaupt schon losgeht mit dem Advent, dann hinkt man hinterher und muss schnell die Nikolaus-Überraschungen organisieren, und dann ist die Luft raus.

Unser selbst befüllter Adventskalender ist zweimal abends vergessen worden und in der Krippe hat irgendein Scherzkeks mit Ordnungs-Fimmel die Krippenfiguren alle in eine Reihe gestellt. Sogar den Engel, der sonst seine eigene Etage im 1. OG bewohnt.

Wie soll ich bitte auch besinnliche Stimmung erschaffen, wenn mir nicht danach ist? Schlau wie ich war, habe ich meine Tanne schon längst aufgestellt und geschmückt, nur um seitdem immer wieder Kugeln aufzusammeln und Styropor zusammen zu kehren. Also noch steht die Tanne, die Lichterkette hängt auch noch dran, auf halb acht zwar, aber immerhin. Leider sind die Kugeln nicht mehr dran und mein Vorschlag, sie doch bitte mit grünen Kabelbindern dran zu heften oder gleich mit Heißkleber festzukleben wurde erneut abgeschmettert, schade. Jetzt weiß ich aber definitiv: Ich hasse Styropor. Diese kleinen, weißen Kügelchen werden mich sicher in den Wahnsinn treiben. In der neuen Packung Kugeln waren kleine Geschenk Päckchen dabei, in denen nichts außer Styropor drin ist. Das versteht mein 3-jähriger nicht, oder er glaubt mr nicht. So nutzt er seit Tagen jede freie Minute, um die Dinger von der Grilande zu pflücken, die um den Fernseher herum gespannt ist. Das, dachte sich die Große, war nämlich der perfekte Ort, um die grüne Girlande aufzuhängen.

Einmal mehr bestätigt sich mein Verdacht, dass man entweder als Marie Kondo oder als Messie geboren wird, dazwischen ist wenig. Wenn wir noch einen Röhrenfernseher hätten, würde da ein gehäkeltes Tischdeckchen drauf liegen, ganz sicher. An diese merkwürdige Umrandung hatte ich mich nach einigen Tagen gewöhnt, aber dieses Styropor geht gar nicht. Es lässt sich nicht wegsaugen. Beim Wischen klebt es am Mop und fällt kurz vor dem Putzeimer zurück auf den Boden. Also krabble ich brav über den Boden und kehre es per Hand zusammen. Da ich den zwei kleinen nicht permanent hinterher rennen will, habe ich die Pakete weggepackt. Trotzdem tauchten nach und nach immer wieder weiße Styropor Platten auf. Erst im Schlafzimmer, dann über den Flur verteilt und natürlich im Wohnzimmer. Da ist Endstation für alles, was einmal auf dem Boden landet. Räumt man es nicht sofort weg, verkriecht es sich unter der Couch und wird erst wieder gesehen, wenn sich Übernachtungsbesuch ankündigt und die Couch ausgezogen wird.

Da will ich die weiße Pracht natürlich nicht haben und bin auf Spurensuche gegangen: Hinter dem Bett steht mein Bilderrahmen vom letzten Jahr, für den ich nur schnell ein paar Fotos entwickeln lassen muss. Aus diesem haben die beiden sich nach und nach die Rückwand heraus gepökelt und auf Reisen geschickt.

Ich weiß ja nicht, was ich schlimmer finde, die Tatsache, dass ich seit 1 Jahr den Bilderrahmen nicht aufgehängt habe oder dass dieses dämliche Ding Styropor beinhaltet.

Das kann es doch nicht gewesen sein. Mir ist schon klar, dass das aus der Perspektive der Eltern weniger spaßig ist, als von den Kindern aus. Aber so gar keinen Spaß??

Ab sofort läuft das anders. Der Wäscheberg wird ins Schlafzimmer geschoben und der Staub sich selbst überlassen. Wann immer die Sonne scheint, schnappe ich mir die beiden Kleinen und sie dürfen draußen den Garten umgraben. Schließlich warten auf die Ankunft Jesu, nicht den Besuch vom Gesundheitsamt. Irgendwas wird es schon zu Essen geben, wir werden Kleidung anhaben und auch dieser Tag wird vorüber gehen.

Atmen, weitermachen.

Artikel 32 – Verbot der Kinderarbeit und Schutz der Jugendlichen am Arbeitsplatz

Es gibt Gesetze und das ist gut so. Sie regeln das Miteinander und schützen uns liebe Menschen vor den Bösen. So könnte man das einem 7-jährigen erklären. Gehen wir mal davon aus, Kinder sollen nicht arbeiten und ihre einzige Aufgabe bestehe darin, ihr bestes Leben zu leben und Kind zu sein. Das ließe sich prima umsetzen, wenn man seine Kinder home schoolen würde und niemals fremdbetreuen ließe. Die Eirichtung, in die ich meine Kinder schicke, nutzt sie nämlich schamlos aus, ohne mit der Wimper zu zucken.

Diese Woche kam nämlich die Einladung für den Weihnachtsbasar ins Haus geflattert. Mutti ist mal ganz kurz eskaliert und hat sich wieder aufgeregt, ich weiß, ich hatte versprochen, es nicht mehr zu tun. Zumindest nicht bei diesem Thema. Zum Glück hat es das Große Kind abgekriegt und nicht der oben erwähnte 7-jährige. Tochterkind kennt das schon und kann differenzieren, sie weiß, Mama ist nicht böse auf sie sondern auf den Rest der Welt, heute auf die Schule. Sie lassen die Kinder Zeugs herstellen und von den Eltern kaufen. Du kannst aber nicht dein eigenes mit nach Hause nehmen, nein nein, wo denkst du hin? Das wird wie alle nervigen, unnötigen Veranstaltungen in der Aula zelebriert. Wer nichts findet, kann ja gerne einen Kaffee trinken und einen Kuchen essen, den er selbst gebacken hat. Alkohol gibt es keinen, ich habe nachgesehen.

Der Erlös, haltet euch fest, Freunde, wird nach Afrika gespendet. Wohin auch sonst, ist ja auch völlig egal, dass sich da 400 Schüler um eine Schaukel prügeln in jeder Pause und monatelang das Wasser nicht getrunken werden durfte, weil erhöhte Bleiwerte gefunden worden waren. Wir haben schließlich eine Partnerschule und die brauchen neue Bücher. Wo ist bitte dein Mitgefühl, Mama?

Mich stört dieses ganze Getue um den Basar fürchterlich, zweimal im Jahr, pünktlich zu Ostern und Weihnachten, werden wir Eltern eingeladen, in 1 Stunde unserer kostbaren Zeit die Schule zu besuchen. Wir sollen bitte im Vorfeld einen Kuchen backen und dort abliefern, damit wir ihn dort kaufen können. Noch bin ich nicht wieder eingestiegen in das Back-Karussel, aber ich verspreche, das nächste Mal, wenn ich einen Kuchen anschleppe, fehlt da ein Stück. Das werde ich zu Hause vorher essen. In bester Gesellschaft, alleine.

Die Kinder werden natürlich tagelang gedrillt, besonders Schöne und Ausgefallene Stehrumchen herzustellen, am besten aus mitgebrachten Klopapierrollen, Kastanien, Steinen oder ähnlich wertvollem Naturmaterial. Gebastelt wird nicht nur in Werken, sondern auch in Kunst, statt Mathe und ein bisschen in Religion. Wer keine Lust hat, andauernd verkleisterte Finger zu haben, muss schreiben. Weil das geht ja mal gar nicht, so eine Arbeitshaltung. Da muss ich jetzt direkt mal einhaken. Arbeitshaltung?

Wir erinnern uns, Artikel 32, war da nicht was? Wenn man jetzt mal das Ganze betrachtet, ist es paradox. Die Kinder basteln etwas, sind stolz wie Oskar. Erzählen zu Hause davon. Versichern sich, dass du auch wirklich zu dieser einen Stunde auftauchen wirst. Mit Geld. Auch das wissen die Ganoven schon, geht nicht mehr als Ausrede.

Beim letzten Osterbasar hat es zehn Minuten gedauert, bis wir den Tisch der Klasse gefunden haben, auf dem die Exponate zum Kauf ausgestellt waren. Bedauerlicher Weise war ausgerechnet das Gebimsel meines Sohnes schon verkauft. „Ist doch prima, jemand fand es schön und hat es mitgenommen…“ hat nichts gebracht, weil er wollte es doch so gerne haben. In solchen Momenten würde Väter sich umdrehen und nach Hause fahren, aber bei uns Müttern knackt kurz das Herz an und wir fragen bei der Lehrerin, ob etwas Ähnliches noch da sei. Ich muss beim letzten Mal genau so traurig wie mein Kind ausgesehen haben, weil wir bekamen zwei Tage später den Eierkarton und die Federn mit nach Hause, um das grandiose Bauwerk nach zu basteln. Ok, auch nicht die richtige message, finde ich, aber in dem Fall hat es einen neuen Bewohner der Osterdeko-Kiste hervorgebracht, der jetzt fester Bestandteil der Keller Wohngemeinschaft für verlassene Basteleien ist.

Versteht mich nicht falsch, ich mag Selbstgemachtes von meinen Kindern. Es sind aber bekannter Weise vier, von denen nur zwei schon eingeschult sind. So langsam mache ich mir angesichts meines vollgestopften Kellers Gedanken: Wohin damit?

Fassen wir also zusammen, wenn wir alle hingehen, muss ich etwas mitnehmen. Gehe ich nicht, muss ich den beiden Geld mitnehmen und dann ist Land unter. Ich stecke in der Falle. Da ist guter Rat teuer. Meinen Kindern gegenüber versuche ich ehrlich zu sein, kindgerecht natürlich. Sie wissen doch aber, dass ich das nicht mag und es cool finden würde, wenn die einfach Überweisungsträger verteilen würden vor Weihnachten. Diese Form der Ehrlichkeit erlebt man im deutschen Schulsytem leider nicht. Dann doch lieber ein paar Euro in Klorollen Basteleien investieren.

Wir sagen euch an,…

..die liebe Putzzeit. Ich bin müde. Dafür sind alle Fenster geputzt, zumindest die relevanten, Staub ist gesaugt und weggewischt, viele Stehrumchen in den Müll gewandert, ihr kennt das. Zwischendurch gab es keine sauberen Wischmöppe mehr, aber die Waschmaschine hat eh ein paar Sonderschichten eingelegt. Weiß ja nicht, wie es auch geht, aber ich kann mit dem Begriff „Frühjahrsputz“ nicht viel anfangen.

Bei mir ist es Adventsputz. Oder Osterputz. Dazwischen, dank diverser Geburtstage natürlich auch, aber das ist die Zeit, zu der ich eskaliere. Die Weihnachtsdeko kann ich nämlich einfach nicht in den Dreck stellen. Von aufwändigen Renovierungsarbeiten sehe ich ab und lasse die Fingerabdrücke um die Lichtschalter und Türrahmen herum mit Putzschwämmen verschwinden. Morgen habe ich bestimmt Muskelkater. Nur dass wir uns richtig verstehen, das mag ich nicht wirklich, es gehört nun Mal dazu. Aber was dann kommt, das liebe ich.

Damit sich das Lied erfüllen kann und es wirklich unser Advent wird, ist einige Vorarbeit nötig. Irgendwas davon wird in den Herzen dieser kleinen Menschen aber hängen bleiben und das ist ein tröstlicher Gedanke. Es ist ja auch nichts Verwerfliches daran, wenn man beim Geruch von Zimt gute Laune bekommt, oder?

Da ist sie also wieder, die liebe Adventszeit. Bei mir fängt sie schon einen Sonntag vor dem ersten Advent an, wenn ich aus einer herbstlichen Trance aufwache und feststelle, es muss sauber gemacht werden. So richtig. Nicht nur überlebensmäßig. Eher so Besuch-kündigt-sich-an oder Schwiegermutter-kommt. Ist das aber einmal überstanden, geht es mit der Deko los. Es wird ja schon seit Jahren nichts Neues mehr gekauft, aber es werden immer mehr Kugeln. Die kommen auch alle an den Baum und stehen pünktlich zum 01. Advent im Wohnzimmer. Stillstuhl raus, Tanne rein. Natürlich Plastik, aber ich steh dazu, wenn ich sie nicht schon hätte, würde ich sie jedes Jahr wieder kaufen wollen. Bei meinen Eltern waren so die Frühaufsteller unter den Weihnachtsbaumfans verpönt, da wurde Heiligabend erst die letzte mickrige Tanne vorm Supermarkt eingekauft, echt natürlich. Das, was bis zu den Heiligen Drei Königen noch nicht weggerieselt war, wurde dann spätestens an die Straßenecke gestellt. Knut, und so. Jeder hat da so sein System und das ist wunderbar so.

Dann habe ich nach und nach meine eigenen Bräuche und Rituale aufgestellt. Die Kinder wachsen da rein und damit auf, das finde ich schön. Wenn sie später selbst groß sind und das anders machen, freue ich mich, ehrlich. Das macht uns alle doch aus, dass jeder bisschen anders ist und andere Dinge schön findet. Wir sind halt die, die eine leere Krippe aufstellen und nach und nach im Adventskalender die Figuren untergeschmuggelt haben. Dann wird aber auch vorgelesen aus der Bibel, immer im Bezug zu der jeweiligen Figur, die dann „einzieht“. Der Esel und der Engel sind schon da. So ist das eben bei uns, ganz oder gar nicht. Wenn schon Advent, dann bitte richtig. Einen Kranz haben wir auch, aber ich nerve jedes Jahr die Kinder mit der Frage, warum es vier Kerzen sind, wisst ihr es? Dann würdet ihr den entsprechenden Vortrag von mir zu hören bekommen, wenn ihr zum Adventskaffee vorbeikommt, so heißen die nächsten 4 Wochen die Zeit ab 15 Uhr bei uns. Im Kalender sind ausserdem noch handgeschriebene Zettel mit Glücksmomenten. Jedes Familienmitglied schreibt sein Highlight auch einen Zettel. Ich liebe ja diese unperfekte Kinderschrift, je mehr Schreibfehler, desto besser. Dann lesen wir das vor und stellen die Figürchen auf, da vermisst keiner die Schokolade. Das ist unser Advent. Unsere Momente. Für alle Zeiten aufgeschrieben, konserviert und gespeichert. Das ist doch auch gut so. Das wünsche ich jedem, egal ob gekaufter Schokoladen-Kalender oder gar keiner, mach einfach dein eigenes Ding daraus. So lange du noch weißt, um wessen große Geburtstagsparty es am Ende geht, ist alles gut. Einen schönen Advent euch allen.

„Das glaub ich nicht, das trau`ich dem nicht zu.“

So, oder so ähnlich fielen die Reaktionen aus am Wochenende, als bekannt wurde, dass jemand eine Straftat im Zusammenhang mit Kindern begangen haben muss und dafür verurteilt, von seinen Ämtern befreit und sogar des Landes verwiesen wurde.

Ich drücke das jetzt bewusst vorsichtig aus, weil mir beim Nacherzählen von Neuigkeiten“Die drei Siebe von Sokrates“ ganz gut gefallen. Wer es kennt, bitte sucht es raus für den genauen Wortlaut, frei zusammengefasst meinte er aber: „Dass, was du mir erzählen willst, ist es durch die drei Siebe gegangen, Wahrheit, Güte und Notwendigkeit? Falls nicht, geh mir nicht auf den Zeiger damit. „

Meinen Kindern ist nichts passiert. Aber es muss da draussen eine Mama geben, die ihrem Kind nicht helfen konnte, die davon nichts wusste und den falschen Menschen vertraut hat. Mein Herz schmerzt beim Gedanken daran.

Nun ist das so, dass ich auch der Meinung bin, im Zweifel für den Angeklagten, bis etwas andere bewiesen ist, ist keine schlechte Idee. Bei Kindesmißbrauch hört es aber auf. Da vergesse ich alle diese guten Vorsätze und sehe das ganze mit Kinderaugen.

Was mich immer wieder gestört hat, war diese eine Aussage: „Nein, der doch nicht“ und „Niemals ist der zu sowas fähig!“ Ist das nicht die Hauptaufgabe eines Verbrechers, dass er so tut, als sei er unschuldig? Zeichnet ihn/ sie das nicht aus? Wie sieht denn ein Kinderschänder aus? Sieht man das jemandem an? Schon mal morgens beim Bäcker in der Schlange gestanden und sich gedacht: Boah, der Typ, der gerade dran ist, sammelt bestimmt Kinderpornografie.“ Natürlich nicht. Im Übrigen dürfte ausreichend bekannt sein, dass Missbrauch im Umfeld passiert und danach erst größere Kreise zieht. Vater, manchmal auch Mutter, Onkel, Stiefeltern/ -geschwister, Patenonkel usw.

Du fragst dich zurecht, was hat das hier zu suchen? So ist unsere Welt nun Mal, ja das gibt es, aber nicht bei mir, nicht bei uns, niemals… Das wünsche ich jedem, wirklich. Man sollte einfach sensible bleiben und die Augen offen halten, auch auf Zwischentöne achten. Dieses „nur mit dem Herzen sieht man gut“ trifft auch auf sowas zu, hört auf euren Bauch. Wenn euch etwas „komisch“ vorkommt, tut es nicht ab. Reagiert darauf, hört den Kindern zu. Nur so kann es stoppen.

Tragischer Weise habe ich in einer Schulung die Zahl der Erwachsenen erfahren, die ein mißbrauchtes Kind durchschnittlich anspricht, bis es ernst genommen wird: Sieben. Sei nicht der siebte. Sei Nummer eins, oder zwei, oder…..

moving day

Vor einigen Jahren erst habe ich mitbekommen, dass es in Kanada und auch in Teilen der USA einen speziellen Tag gibt, an dem einfach alle umziehen. Das Datum wurde auf den 01. Juli gelegt und stammt aus einer Zeit, in der Mietzeiträume gesetzlich geregelt wurden und auch heute laufen tatsächlich viele Mietverträge einfach am 30.06. aus.

Soviel zum Hintergrund. Ich musste nur gerade daran denken, dass viele Menschen an diesem einen Tag ihre Möbel von A nach B schleppen und sich neu einrichten. Nun ist es aber auch so, dass viele Amis mit leichtem Gepäck reisen. Die Wohnungen und Häuser verfügen alle über Einbauküchen und Wandschränke. Da trägt keiner, wie ich, aus nostalgischen Gründen eine uralte Fernsehbank mit sich rum. Das gute Teil hat schon unseren ersten Fernseher getragen, danach war es ein Bücherregal und jetzt steht es im Flur. Es hat noch nicht einmal den Weg in die Wohnung geschafft. Aber es ist noch da.

Das ging mir so durch den Kopf, als ich heute mit meinem Blog umgezogen bin. Da ich aber weiß, dass mit jemand liest, fühlte mich irgendwie verpflichtet, euch zu informieren. Bescheuert, ich weiß. Die alten Sachen kann ich beim besten Willen aber nicht mitnehmen. Klar wäre das alles schnell alles mit copy/paste mitgenommen, aber das will ich nicht. Ist schon gut so. Wer es trotzdem gelesen hat und hier noch dabei ist: Cool. Und falls ihr neu dazu gekommen seid, auch sehr cool. Fangen wir einfach neu an.

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