Mona, Simona, Corona

Gestern wurde ich gefragt, ob man mit der Zeit entspannter wird, mit den Kindern und so. Man macht sich ja immer so viele Sorgen um sich und seine Kinder, vielleicht werde das mit mehreren Kindern einfacher. Warum? Sollte es mir egaler sein, weil ich ja mehrere habe und falls eins abhanden kommt, wären da noch andere? Natürlich war das nicht so gemeint. Es war der Versuch, ein Rezept für Gelassenheit zu erhalten, gratis und verbindlich, von Mehrfachmutti zu Einzelkind-Papa. Das gibt es nicht und wenn ich es hätte, würde ich es zu Geld machen, ungelogen. Angst ist ein Gefühl und die kann man nicht kontrollieren, abstellen, kein Medikament hilft so wirklich dagegen.

Wir sehen im Moment täglich, dass es für Angst keine Routine gibt. Das Gefühl von Angst kann mit einem kleinen Unwohlsein anfangen, ein ungutes Gefühl nur, so eine Art Vorahnung. Gerne kann es sich auch verändern und hochsteigern zu einer Panik, damit meine ich vor allem die vielen Klopapier-Sammler und neuartigen Nudelfreunde. Waren die nicht gestern noch total verpönt, weil wegen Gluten usw? Was wurde daraus? Und vor allem interessiert mich, wie esst ihr die jetzt? Mit Mehl??

War ich bis jetzt die Einzige, die jede Woche ein Päckchen Mehl und einen Würfel Hefe aufs Band gestellt hat, gibt es jetzt fast kein Mehl mehr. Ihr vergesst nur leider, die Hefe dazu zu kaufen. Das zeigt mir, da wird nicht wirklich nachgedacht. Angst schaltet das Denken aus. Es steht auch kein Mehl auf dem Einkaufszettel. Ihr lauft nur zufällig an den leeren Regalen vorbei und denkt euch „Mist, wenn da schon fast nichts mehr von da ist, brauche ich auch welches.“

Nichts ist mit Zimtschnecken und Pizzateig, Hefe vergessen, dumm gelaufen. So ist das auch mit Angst um Kinder. „Nein, Estelle geht nicht zu Fuß zur Schule, ist heutzutage viel zu gefährlich.“ Lasst das „heutzutage“ weg und ersetzt es durch „modernerweise“, schon stimmt es wieder. Natürlich ist das erst einmal ein ungutes Gefühl, wenn man sein 6-jähriges Erstklässlerchen auf die Reise schickt. Die brauchen auch kein handy, um sich aus dem Bus zu melden. Wenn sie ihn verpassen, nehmen sie den nächsten, ganz sicher. Meine Mama hat immer gesagt, wir sollen eines Tages auch alleine klar kommen. Hat sich für mich erst einmal ein wenig herzlos angehört, vor allem weil ich da schon asugezogen war und nicht wusste, ob es alles hinhaut. Aber das hat es und heute weiß ich, sie hatte Recht. Man muss auch manchmal sein Herz hinter Panzerglas stellen, um nicht kaputt zu gehen. Die Angst ist immer da und hilft uns, am Leben zu bleiben. Sie sollte uns nur nicht zerstören, das kann auch töten. Wenn da nur noch Angst ums Kind ist, wo ist noch Platz für die Liebe? Willst du, dass dein Nepomuk dich auch mit 30 Jahren noch anruft und fragt: „Mama, wie muss man nochmal Nudeln kochen? Backt man sie? Kommt das Mehr sofort mit ins Wasser oder erst hinterher? Und was mache ich mit dem Klopapier?“ Ist es für die Kinder bequemer, jeden Tag gebracht zu werden oder umständlich erst zum Bus und dann vom Bus in die Schule zu laufen? Vielleicht. Tut ihnen die frische Luft morgens gut und hilft ihnen, sich besser im Unterricht zu konzentrieren? Auf jeden Fall. So lernen sie aber auch ich, dass man ruhig mal was erwarten darf von diesen kleinen Menschen, die schaffen das schon. Ausserdem erhalten sie im Gegenzug die Zuversicht, es auch alleine hinzukriegen. Schenkt ihnen die kurzen Triumphe über die Angst, sie werden stolz sein und zu gesunden Erwachsenen heranwachsen, die sich nicht von jeder Massenhysterie anstecken lassen. Da bräuchte es mal ein Rezept für. Das steht in keinem Regal im Supermarkt. Da steht im Moment nur noch wenig, leider auch kein gesunder Menschenverstand. Sonst wüssten nämlich auch wieder alle, dass Desinfektion bei Viren nicht wirkt und Mundschutzmasken im Handwerk oder Op gebraucht werden, nicht auf der Straße. Tröpfcheninfektion kann auch über die Augen passieren, rüstet also auch Augenmasken nach. Erklärt sicherheitshalber die ganze Welt zum Risko-Gebiet und informiert jeden, dass er sterben muss. Das wäre endlich mal richtige Verbreitung von Panik, die auch noch stimmt. Sterben muss jeder einmal, nicht heute und wahrscheinlich auch noch nicht morgen, aber irgendwann.

In diesem Sinne. Weitermachen. Ihr seid alle zu jung, um nichts zu tun. Backt einen Kuchen oder kocht eine Nudelsauce, den Rest habt ihr ja zu Hause.

Veröffentlicht von kristinampunkt

"Turn your mess into your message." Kurz und knapp zusammengefasst, ist das meine neue Mission. Ein Arbeitsauftrag quasi. Gebe euch mein erlebtes Wissen über das Leben mit Mann und vier Kindern, ein paar Autoimmunkrankheiten und jede Menge Chaos weiter. Ein Leitfaden für alle Muttis und solche, die es werden wollen. Viel Spaß!

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